Sonntag, 05 September 2010
Physikalisch-medizinische Therapie von Migräne, Kopfschmerz und Tinnitus Drucken

Nach Auskunft der International Headache Society (IHS) leidet zirka ein Sechstel aller Menschen unter chronischen Kopfschmerzen. Diese führen nicht selten zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität und regelmäßigem Medikamentenkonsum, was geradezu in einem „Teufelskreis“ enden kann, denn „chronischer“ Kopfschmerzmittelgebrauch kann seinerseits Kopfschmerzen erzeugen und aufrechterhalten.


Es lassen sich verschiedene Formen von Kopfschmerz unterscheiden, und die IHS hat 1988 vier verschiedene Arten, die mit Funktionseinschränkungen der Kopf- und Kieferregion in Verbindung gebracht werden, definiert sowie diagnostische Kriterien zusammengestellt.


Migräne ohne Aura

Initialschmerz:  frontaler Schädel
Schmerzart:  einseitig, pulsierend, moderate bis starke Intensität
Dauer:  4 bis 72 Stunden

Begleitsymptome:  Photophobie, Übelkeit, Erbrechen


Spannungskopfschmerz

Initialschmerz:  verschieden
Schmerzart:  beidseitig, konstant drückend, milde bis moderate Intensität
Dauer:  30 Minuten bis 7 Tage

Begleitsymptome:  meist keine


Cluster-Kopfschmerz

Initialschmerz:  Auge und/oder Schläfe
Schmerzart:  einseitig, starke bis sehr starke Intensität
Dauer:  15 Minuten bis 3 Stunden pro Attacke, eine Woche bis zu einem Jahr pro Episode

Begleitsymptome:  gerötetes/tränendes Auge, verstopfte oder laufende Nase, schwitzendes Gesicht, Miosis oder Ptosis


Zervikogener Kopfschmerz

Initialschmerz:  Nacken
Schmerzart:  meist einseitig oder beidseitig mit dominanter Seite, ohne Seitenwechsel, leichte bis starke Intensität
Dauer:  verschieden

Begleiterscheinung:  eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule
Hauptkriterium:  Reproduktion des typischen Kopfschmerzes durch Druck auf die Halswirbelsäule


Häufig sind Funktionserkrankungen der Kopf- und Kieferregion Auslöser sowohl für Migräne und Kopfschmerz, als auch für die neue Volkskrankheit Tinnitus.


Mit Hilfe der Methode der Manuellen Therapie ist es möglich, Funktionsstörungen am gesamten Bewegungsapparat zu finden und zu beheben.


Physiotherapeutische Maßnahmen zur Behandlung dieser Beschwerden können durchaus als alleinige, funktionsverbessernde Therapie der Kieferregion, (Hals-)Wirbelsäule und des Schultergürtels erfolgen. Bisherige Erfahrungen zeigen aber, dass abhängig von der jeweiligen Indikation einer Kombinationsbehandlung aus Physiotherapie und ärztlicher Behandlung in vielen Fällen der Vorzug zu geben ist.


Welche Therapie für welchen Patienten indiziert ist, muss im Einzelfall und in engem Dialog mit Ihrem behandelnden Arzt entschieden werden.


Dabei sollte stets mit der am wenigsten invasiven Behandlungsform begonnen werden.
Ziel dieser Therapie ist es, befundabhängig den Schmerz zu dämpfen, die Funktion des Unterkiefers zu normalisieren und die Körperhaltung zu verbessern.


Im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung sollte eine Besserung der Symptome nach 8-10 Therapie-Einheiten sichtbar werden.